Stromstöße - Unsichtbare Gefahr im Alltag

Im Jahr 2007 erstellte das Wissensmagazin "Planetopia" einen Beitrag zu den Gefährdungen des elektrischen Stroms im Alltag.

Bei der Produktion stand Stefan Ehleiter als Elektro-Fachmann zur Verfügung.

Anbei finden Sie die Auszüge aus dieser Fernsehproduktion:

Wir können ihn weder sehen, noch hören, noch riechen - und doch ist er überall. Ohne elektrischen Strom ginge nichts mehr in unserem Alltag. Doch viele pflegen einen äußerst leichtsinnigen Umgang mit dem Saft aus der Dose: Hier ein selbst geklebtes Netzkabel, da offene Leuchtenkabel an der Decke, dort ein loser Lichtschalter, der aus der Wand hängt – vielen ist das große Risiko mitten in der eigenen Wohnung und die möglichen Folgen gar nicht bewusst.

Der Beitrag zeigt, wo im Haushalt die größten Stromgefahren lauern, was bei einem Stromunfall im Körper passiert und wie man auch ältere Wohnungen nachträglich sichern kann.

Stromfalle Haushalt - defekte Steckdosen, gebrochene Kabel, blanke Drähte: oft reicht schon die kleinste Berührung und der eigene Körper steht unter elektrischer Spannung. Selbst ein sekundenkurzer Stromstoß kann tödliche Folgen haben. Doch viele unterschätzen die unsichtbare Gefahr in den eigenen vier Wänden.

Stefan Ehleiter, Elektro-Ingenieur: „Der Hauptgrund für den leichtsinnigen Umgang mit Strom ist, man sieht ihn nicht, man hört ihn nicht, man riecht ihn nicht, und wenn man ihn spürt, ist es meistens schon zu spät.“

Wie leichtsinnig ist der Umgang mit dem Saft aus der Dose? Gemeinsam mit dem Elektro-Ingenieur Stefan Ehleiter machte Planetopia den Test und besuchte verschiedene Haushalte. Erste Station: Tobias Ripper. Bei ihm baumelt eine äußerst fragwürdige Eigenkonstruktion von der Badezimmerdecke.


Stefan Ehleiter: „Das Problem ist, dass die ganze Leuchte mit ihrem Gewicht an der Klemmverbindung der elektrischen Stromleitung hängt und falls sich ein Draht löst, könnte dann nachher Spannung auf dem Gehäuse sein und man kann einen Stromschlag bekommen. Haben sie wenigstens an der Leuchte den Schutzleiter angeschlossen?“

Tobias Ripper: „Nein, hab ich nicht gemacht.“

Stefan Ehleiter: „Ja, dann ist es extrem gefährlich, wenn sich der stromführende Draht an das Gehäuse löst, dann steht die ganze Leuchte unter Spannung und sie können einen Stromschlag bekommen.“

Einen Stromschlag bekommen kann er auch hier: Satte 230 Volt liegen an diesen offenen Leitungen. Besonders gefährlich im feuchten Badezimmer.

Stefan Ehleiter: „Er greift hier an den Draht, wahrscheinnlich mit dem rechten Arm, zufällig hält er sich hier an der Heizung fest oder sucht ein Handtuch, und der Strom fließt hier direkt druch seinen Körper, am Herzen vorbei oder durchs Herzen und das ist tödlich.“


Nächste Station unserer Stichprobe: Lena Rosteck. Auch hier wird der Elektrofachmann schnell fündig. Der Kühlschrank als Kabelhalter – keine gute Idee.

Stefan Ehleiter: „Die ganzen Kabel hängen hier an den Kühlrippen. Die Kühlrippen vom Kühlschrank werden warm und zerstören die Kabel auf die Dauer. Und damit können Drähte blank liegen, der Kühlschrank kann unter Strom stehen. Dann haben wir hier den stromführenden Draht direkt an dem Kühlschrank, und der ganze Kühlschrank steht unter Strom, und wenn sie dann was anfasst oder hier vorbeigeht, dann kriegt sie einen Stromschlag, der tödlich sein kann.“

Lena Rosteck: „Wir wollten die halt nicht offen rumliegen lassen, und deswegen war hinterm Kühlschrank der beste Platz dafür.“

Nicht der beste Platz für den Hasen – sein Käfig in der Küche. Denn auf Freigängen frisst der Nager regelmäßig die Tapete an. Und zum Nachtisch gibt’s ein Stück leckeres Stromkabel.

Stefan Ehleiter: „Das Grundproblem liegt darin, dass die Kabel angenagt werden können. Man sieht’s hier ganz deutlich, hier sehen wir die Nagespuren an der Tapete untendrunter liegt das Kabel, das auch schon leicht angefressen ist, einfach Gefahr für das Tier und auch für sie, wenn sie an das Kabel drangreifen und die Drähte blank liegen.“


Blanke Drähte haben sie beinahe das Leben gekostet: Carina Romanelli. Die 36jährige ist gerade in der Küche beschäftigt, als das Radio aussetzt. Der Grund: das Netzkabel ist defekt, die Leitung liegt offen. Im Reflex greift Carina Romanelli danach.

Carina Romanelli: „Dann hat es einen lauten Knall gegeben, es war so ein Lichtbogen, und ich bin einfach so zurück gefallen und mein Finger hat ein bisschen geschmerzt. Dann hab ich erst mal gar nichts mehr gespürt, ich hatte einen Schock gehabt, und hab geschrieen.“

Carina Romanelli kommt mit dem Schrecken davon. Doch nicht immer geht es so glimpflich aus. Doktor Karl-Georg Kanz hat Stromschlag-Opfer behandelt und kennt die Gefahren.

Dr. Karl-Georg Kanz, Uniklinik München: „Der Stromstoß führt dazu, dass zum Beispiel das Herz aus dem Takt kommt, er führt dazu, dass das Gehirn gelähmt wird, dass man aufhört zu atmen. Der Stromstoß kann aber auch im schlimmsten Fall dazu führen, dass Verbrennungen auftreten auf den Wegen, die der Strom durch den Körper nimmt, dass ganze Extremitäten verbrannt werden und funktionsunfähig werden.“


Besonders empfindlich gegen Stromschläge: unser Herz. Es wird von körpereigenen, sehr schwachen elektrischen Impulsen gesteuert.

Dr. Karl-Georg Kanz: „Sie haben eine regelmäßige Herztätigkeit, eine regelmäßige Pumpleistung, einen regelmäßigen Kreislauf, eine regelmäßige Durchblutung.“

Fließt plötzlich stärkerer Strom von außen durch unseren Körper, gerät das Herz völlig aus dem Takt. Es kommt zum lebensbedrohlichen Kammerflimmern.

Dr. Karl-Georg Kanz: „Durch dieses Kammerflimmern tritt ein Kreislaufstillstand ein, einfach dadurch, dass das Herz kein Blut mehr Auswerfen kann, es ist kein Kreislauf mehr vorhanden, der Patient hat keinen Puls mehr, er wird bewusstlos.“

Schon 75 Milliampere können Kammerflimmern auslösen. Hier der orangene Bereich. Haushaltsstrom ist dreimal so stark. Seine Folgen zeigen sich oft erst zeitverzögert.

Dr. Karl-Georg Kanz: „Es kann nun innerhalb der nächsten 24 Stunden Kammerflimmern auftreten, verzögert auftreten, und aus diesem Grund muss der Patient sich in das Krankenhaus möglichst unter Monitorkontrolle bringen lassen und im Krankenhaus 24 Stunden überwacht werden.“


Zurück zu unserem Elektro-Check mit Stefan Ehleiter. In diesem Wohnzimmer trifft er auf einen völlig veralteten Mehrfachstecker. Der Wackelkontakt: nicht nur nervig, sondern auch gefährlich

Stefan Ehleiter: „Wenn der Vorhang hier auf diesem Steckdosenadapter, was ja vorkommen kann, liegt, und ein Funkenflug entsteht, oder ein Schmorbrand, kann der Vorhang in Flammen aufgehen und die ganze Wohnung in Brand setzen.“

Reporter: „War ihnen das bewusst, dass die vielleicht riskant sein kann?“
Dorothea Gottron: „Nein. Solang sie funktioniert hat, war mir das nicht bewusst.“

Ahnungslos auch Andrea Jaenicke. Bei ihr lauert die Stromfalle in der Küche. Vor dem Bohren von Löchern für den Schrank hat sie die Wand auf mögliche Elektroleitungen überprüft. Doch mit dem Stromdetektor aus dem Baumarkt hat sie so ihre Probleme.

Andrea Jaenicke: „Ich konnte einfach nichts feststellen mit diesem Stromdetektor und habe dann einfach mal mein Glück versucht.“

Doch statt Glück hat Andrea Jaenicke Pech. Ein Profi-Stromdetektor zeigt: ihre Blind-Bohrung – ein Volltreffer.


Stefan Ehleiter: „Die Leitung ist definitiv verletzt, der Schutzleiter kann verletzt sein, der kann durchtrennt sein, ich hab an der Steckdose keine Schutzleiterfunktion, beim fehlerhaften Gerät könnte am Gehäuse Spannung anliegen und man kann einen Stromschlag bekommen, der dann auch tödlich sein kann.“

Um das zu vermeiden, muss Andrea Jaenicke neue Löcher bohren. Der Fachmann zeigt, wo.

Stefan Ehleiter: „Die Leitungen laufen in der Wand immer senkrecht und waagrecht, wenn sie fachmännisch ausgeführt sind. Es sind hier imaginär gedachte Linien zwischen den zwei Steckdosen in der Senkrechten, da würde ich Abstand halten plus minus 5 Zentimeter, genauso auch in der gedachten waagrechten Linie hier von den Arbeitssteckdosen, auch in der Waagrechten plus minus 5 Zentimeter, davon sollte man den Bohrer möglichst fernhalten.“


Besonders Heimwerker werden häufig Opfer von Stromunfällen. Auch Heinrich Labermair hat seinen Leichtsinn fast mit dem Leben bezahlt. Die elektrische Pumpe im Garten – eine Eigenkonstruktion. Beim Anschließen passiert es: aus der defekten Steckdose fließt plötzlich Strom in seine Hand und durch den Körper. Die Folge: seine gesamte Muskulatur verkrampft, er klebt an der Pumpe fest.

Heinrich Labermair: „In den letzten Sekunden hab ich innerlich nur noch geschrien: „Heute nicht, heute nicht.“ Ich denk, das war das einzige, warum ich durchgehalten hab.“
Reporter: „Sie hatten Todesangst?“
Heinrich Labermair: „Ja.“


Warum verkrampfen Muskeln, wenn sie unter Strom stehen? Die Antwort soll ein Experiment liefern. Der Kardiologe Doktor Pitschner legt dem Planetopia-Reporter eine Elektro-Manschette an den Unterarm, durch die schickt er schwache elektrische Reize. Der Schaumstoffball symbolisiert die Stromquelle. Wie reagieren die Muskeln?

Reporter: „So, jetzt spür ich ein Kribbeln.“
Dr. Pitschner: „Die Bewegung ist nicht mehr steuerbar für sie.“

Nicht mehr steuerbare Bewegungen schon bei kleinsten Stromstärken. Das bedeutet: im Ernstfall hängt das Stromschlagopfer solange an der Leitung, bis jemand den Stecker zieht. Oder die Sicherung auslöst.


Doch das alleine reicht oft nicht. Volker Müller von den oberhessischen Versorgungsbetrieben zeigt uns in einem Test, warum. Wir lassen ein elektrisches Rührgerät in einen mit Wasser gefüllten Topf fallen. Sofort steht das Wasser unter 230 Volt Spannung. Lebensgefahr. Doch warum reagiert die Sicherung reagiert nicht?

Volker Müller, Sicherheitsfachkraft: „Die Sicherung hat nicht genügend Strom, sie müsste um in der Schutzzeit auszulösen, eine Stärke von 160 Ampere haben. Die erreichen wir hier nicht. Wir erreichen vielleicht 20 Ampere maximal. Dieser Zustand kann über mehre Minuten andauern, und wenn ich das berühre, ist tödliche Gefahr.“


Die soll ein sogenannter Fehlerstromschutzschalter (RCD) verhindern. Bei einem erkannten Fehlerstrom unterbricht er den Stromkreis sofort. Das gleiche Experiment – wieder steht das Wasser unter Strom. Doch nicht lange.

Volker Müller: „Unser Schutzschalter löst aber schon bei einem Fehlerstrom von 30 Milliampere aus. Und das innerhalb einer kurzen Zeit, und zwar von ca. 0,4 Sekunden.“

Zur Überprüfung, dass der Schutzschalter im Notfall zuverlässig auslöst, muss einmal pro Halbjahr die Testtaste betätigt werden.

Risiko Strom – viele unterschätzen die unsichtbare Gefahr. Auch wer nur einen kurzen Schlag bekommt, sollte sofort zum Arzt. Sonst kann der Stromstoß tödlich enden.

Quelle: Planetopia, mit redaktionellen Anpassungen


Internettipp:

Broschüre zum sicheren Umgang mit Strom der Aktion DAS SICHERE HAUS e.V. und des GDV:

» Das sichere Haus


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